der Gang zu Operation und Narkose, einige allgemeine Gedanken:

Genau wie die Operation ist die Narkose eine notwendige Sache, um Sie von Ihrem Leiden zu befreien. Viele Menschen haben vor der Narkose mehr Angst als vor der Operation selbst.

Eine Operation mit oder ohne Bewußtseinsverlust in der Narkose macht Angst.

Im normalen Leben kommt die hier erzeugte Situation nicht vor. Vom Kopf her kann man sich klarmachen, daß es gut ist, den Schnitt des Operateurs in der eignen Haut nicht zu spüren. Keine Schmerzen dabei zu haben ist ganz klar eine gute Sache. Und auch das Geräusch eines Bohrers möchte man nicht hören, wenn man weiß daß dieser gleich in den eigenen Oberschenkelknochen hineingetrieben wird. Allein schon die Vorstellung das die Vibration des Bohrers, über den OP-Tisch in nicht betäubte Körperregionen übertragen und hier gespürt wird, ist äußerst unangenehm.

Aber auch die Vorstellung geplant in einen tiefen Schlaf zu versinken, in dem gar nichts mehr wahrgenommen wird, um dann mit einem Skalpell den Bauch von oben bis unten aufgeschnitten zu bekommen, hat etwas gruseliges.

Jede dieser Situationen wird ganz intuitiv eine Fluchtreaktion hervorrufen. Und die hat sich in der Vergangenheit - im normalen Alltag - auch immer als sehr sinnvoll erwiesen, um Schäden am eigenen Körper zu verhindern.

Ist eine Operation in Narkose notwendig, wird in jedem Menschen eine Fluchtreaktion gegen den Wunsch einer Heilung seines Leidens abgewogen. Und auch wenn man sich vom Kopf her für Operation und Narkose entscheidet, bleibt die Fluchtenergie erhalten und sucht sich einen Weg zur „Entladung“. Die Angst ist hier die vom Verstand aufgenommene Hypothek, wenn man sich über „normale, bewährte“ Verhaltensmuster hinwegsetzt. Und Schulden müssen auch hier bezahlt werden...

Die Angst kann aus diesem Grunde über Erklärungen nicht ganz genommen werden. Aber es kann die Balance zwischen Flucht und innerem Frieden, in eine etwas günstigere Situation gebracht werden. Durch etwas mehr Einsicht in die Geschehnisse kann eine Operation etwas ruhiger ertragen werden.



Entscheidend ist, ob die sogenannte „Indikation“ stimmt. Das heißt, man muß sich fragen, ob

1. überhaupt eine behandelungsbedürftige Erkrankung vorliegt,

2. der Patient wahrscheinlich von einer Operation profitiert und

3. das Risiko für den Patienten, durch all die Prozeduren, die eine Operation so mit sich bringt annehmbar erscheint.

Versuchen Sie sich einmal die Gefährlichkeit Ihres normalen Alltags zu vergegenwärtigen:

Jedes Jahr verunglücken etwa 10000 Menschen in Deutschland tödlich. Diese Menschen sind vor dem Unfall mehr oder weniger gesund und versterben sofort am Unfallort oder später beim Versuch der Behandlung. Diese Todesfälle werden als Schicksal in Kauf genommen. Das moderne Leben mit seinem Individualverkehr fordert nunmal seinen Tribut.

Niemand macht sich jedesmal schwerwiegende Gedanken, wenn er sich in sein Auto setzt. Dennoch ist für junge, gesunde Menschen der Unfall die wahrscheinlichste Todesursache. Selbst das Fliegen ist sehr viel weniger risikoreich. Natürlich wird ein abgestürztes Flugzeug, mit 300 Passagieren, die Presse sehr viel länger beschäftigen als der allwöchentliche Tod von 4 jungen Menschen an jedem Samstagabend auf der Landstraße. Dennoch gibt es sehr viel mehr Menschen die Flugangst haben als solche mit „Autoangst“.

Die Angst vor der Unfähigkeit eines gut ausgebildenten Profipiloten scheint größer als die, vor dem möglichen Zusammentreffen mit einem alkoholisierten Autofahrer. Aber die diffuse, allgegenwärtige Gefahr, durch einen anonymen „Unfallgegner“ ist psychisch offenbar besser auszuhalten als die Situation der Flugreise. Dazu kommt natürlich die Hoffnung im Auto selbst auf sich aufpassen zu können. Die Kontrolle über die Situation wird im Flugzeug völlig abgegeben. Und einmal in der Luft, ist auch kein Aussteigen mehr möglich. Einziger Trost bleibt, daß der Pilot mit drin sitzt und auch heil nach Hause kommen will. Die Situation bei einer Operation ist eine schwierige: Einmal im Krankenhaus, ist es fast ebenso schwer wieder auszusteigen wie aus einem fliegenden Flugzeug. Die Möglichkeit selbst Einfluß auf die Ereignisse zu nehmen ist gering.

Bei der Narkose und Operation gibt man nicht nur die Kontrolle völlig ab. Vielmehr sitzen Anästhesist und Operateur nicht mehr mit im Flugzeug...

Es gibt also genügend Grund um Angst zu haben.

Die Situation beim Gang zu einer Operation ist eine schwierige: Einmal im Krankenhaus ist es fast ebenso schwer wieder auszusteigen wie aus einem fliegenden Flugzeug. Die Möglichkeit selbst Einfluß auf die Ereignisse zu nehmen ist gering. Sowohl der Patient als auch der Arzt wissen, daß keine absolute Sicherheit garantiert werden kann. Und dennoch - um im oben benutzten Bild zu bleiben - steigen alle immer wieder ins Auto... Immer mit der Hoffnung gut und unversehrt an ihrem Ziel anzukommen.



Was bleibt, ist die Hoffnung es werde schon alles gut gehen und der Glaube, daß die Ärzte alle nötigen Anstrengungen unternehmen, um das beste Ergebnis zu erreichen.

Glaube und Hoffnung; das scheint wenig zu sein, wenn man sich die Höhe seiner Krankenkassenbeiträge anschaut. Und das Geld ist eine weitere Dimension des komplexen Vorgangs der Krankenbehandlung! Zumindest was die seelische Balance des Patienten angeht. Denn es scheint ja so als sei Gesundheit käuflich. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, man hat doch eine Versicherung abgeschlossen...

Der Gang ins Krankenhaus hat viele Facetten.



Die folgenden Seiten sollen Sie in die Möglichkeit versetzen, daß Sie selbst in der Lage sind zu Verstehen warum manche Abläufe sind, wie sie sind. Sie sollen Ihnen die Möglichkeit geben - zu Hause, in Ruhe - manche Probleme schon einmal vorab zu Überlegen, bevor sie zum Arzt gehen. Weil da sind Sie dann so aufgeregt, daß Sie die wirklich brennenden Fragen vergessen. Sie sollen ermuntert werden mitzudenken, aber im gegebenen Moment auch Ihrem behandelnden Arzt zu vertrauen.



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