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vor dem Eingriff


die Operation

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nach dem Eingriff



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auch die Seele muß heilen



Besonderes nach der Operation:



wenn nach der Operation nicht mehr alles ist wie zuvor:

Geht der der Patient mit starken Beschwerden zum Arzt und findet sich bei der Operation beispielsweise eine Blinddarmentzündung oder ein Darmverschluß, so wird er sich in der Regel nach ein paar turbulenten Tagen wieder gut fühlen. Nach zwei Wochen ist das Gröbste überstanden. Und ein halbes Jahr später denkt er nicht einmal mehr an den Krankenhausaufenthalt. Nicht nach allen Operationen ist alles wieder wie zuvor.

Bei vielen Operationen muß die Heilung oder Linderung einer Erkrankung teuer „erkauft“ werden.

Zuerst einmal nimmt fast jede Operation dem Patienten seine Unbefangenheit im Bezug auf seinen Körper. Zuvor konnte er sich blind auf seinen Körper verlassen. Nach der Operation, in der Zeit der Schwäche, muß er sich eingestehen, wie leicht sein gewohnter Alltag zu zerstören ist. Nichts ist mehr wie es war. Es ist schwer zu ertragen, daß man noch nicht einmal drei Schritte gehen kann um die Toilette zu erreichen.....

Natürlich gewinnt man das Vertrauen in seinen Körper wieder, wenn es möglich war alles wieder in Ordnung zu bringen. So zum Beispiel nach einem Knochenbruch oder einer Gallenblasenentzündung.

Wird aber mit der Operation die Diagnose „Krebs“ gestellt, ist die Situation schon eine andere. Auch wenn durch den Eingriff der ganze Tumor entfernt werden konnte, bleibt die Angst. Es könnte wieder kommen.... Hier ist ein intensives Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt entscheidend. Denn Krebs ist nicht gleich Krebs. Es gibt bestimmte Arten, die sehr langsam wachsen und nur eine geringe Tendenz zur Bildung der geführchteten Metastasen haben, wie zum Beispiel der „papilläre Schilddrüsenkrebs“ oder der „Prostatakrebs“. Dennoch wird es lange dauern, bis Sie als Patient wieder mit Ihrem Körper im reinen sind. Nach einen Schienbeinbruch fällt zuerst das Gehen schwer. Aber in dem Maße wie die Gehstrecke länger wird, ohne daß Schmerzen auftreten, kehrt auch das Vertrauen in den eigenen Körper zurück. Mit der Diagnose „Krebs“ im Nacken ist das nicht ganz so einfach. Auch wenn man schon wieder voll in den Alltag zurückgekehrt ist, bleiben Sie häufig monatelang in so einer Art Schwebezustand. Es dauert einfach seine Zeit bis man sich mit der Ungewißheit „kommt ES wieder?“ arrangiert hat. Bis man wieder etwas plant, daß über die nächsten 14 Tage hinausgeht.

Aber nicht nur die Unbeschwertheit, kann verloren gehen. Auch der Verlust von bestimmten Fähigkeiten, über die man normalerweise nicht nachdenkt kann mit einer Operation einhergehen. Vor allem bei Operationen die einen Krebs behandeln sollen ist dies häufig der Fall:

So kann die Mimik einer Gesichtshälte verlorengehen, wenn ein Krebs der Ohrspeicheldrüse operiert wird. Der Nerv der das Lachen formt und auch die Traurigkeit signalisiert, läuft genau durch die Ohrspeicheldrüse, so daß er manchmal durchgeschnitten werden muß, um den Krebs vollständig zu entfernen. Es hört sich nicht so schlimm an, aber jede noch so kleine Auffälligkeit im Gesicht „zeichnet“ einen Menschen. (Eine schlimme Akne im Gesicht reicht da schon, und die ist meistens heilbar....) Die Mimik ist ein wichtiger Teil der Kommunikation, und die ist gestört. Zumindest bei der ersten Begegnung mit diesem Menschen. Dazu können noch Schwierigkeiten mit dem „trockenen Auge“ kommen, weil das Augenlid das Auge nicht mehr mit Tränenflüssigkeit benetzen kann.

Noch drastischer fällt der stigmatisierende Effekt aus, wenn die Nase oder ein Auge entfernt werden muß, da sich im Nasenraum oder in der Augenhöhle ein Tumor gebildet hat. Zum Glück gibt es hier heute sehr gute kosmetische Hilfen, die ein normales Leben für diese Patienten ermöglichen.

Der Verlust der sexuellen Potenz, nach einem operierten Prostatakrebs, ist zwar nicht für jeden sichtbar, aber für den Betroffenen ein schwerer Knick im Selbstbewustsein als Mann. Auch hier werden die für eine Erektion verantwortlichen Nerven bei der Operation durchtrennt, um den Krebs vollständig zu entfernen. Darüberhinaus kann es sein, daß an der Stelle wo Harnblase und Harnröhre nach der Entfernung der Prostata wieder zusammengenäht werden eine Engstelle entsteht. Das Wasserlassen kann über längere Zeit schwierig sein und möglicherweise sind immer wieder Aufdehnungen der Engstelle nötig. Es kann aber auch schwierig sein, den Urin zu halten, das heißt es kommt zu Kontinenzproblemen. Nur durch intensives Üben der Beckenbodenmuskulatur kann ein nahezu normaler Alltag wiedergewonnen werden. Das alles zeigt, so etwas „normalerweise“ selbstverständliches wie der Toilettengang wird zu einem zentralen Punkt im Leben dieses Patienten.

Bei Patienten die „einen tiefsitzenden“ Krebs des Mastdarmes haben - das heißt der Krebs sitzt in den letzten Zentimetern vor dem After - wird bei der Operation der natürliche Darmausgang entfernt werden müssen. Der Stuhlgang wird dann durch einen künstlichen Darmausgang durch die Bauchdecke in einen Beutel entleert. Für viele Patienten am Anfang ein schwer zu akzeptierender Zustand. Die Zahl der Menschen, die mit so einem Anus praeter, wie er in der Fachsprache heißt leben geht in die hunderttausende....

Das entsprechende Problem ergibt sich bei Operationen eines großen Harnblasenkrebses. Nach der vollständigen Entfernung der Harnblase muß eine „neue Blase“ geformt werden. Nicht immer kann damit ein normales Wasserlassen erreicht werden. Dann läuft der Urin aus einem Reservoir durch eine Öffnung in der Bauchdecke in einen Beutel oder der Patient muß das Reservoir mehrfach am Tage mit einem Katheter entleeren.

Auch wenn diese Hilfsmaßnahmen unter der Kleidung nahezu unsichtbar sind, kommen sie zum Vorschein, wenn der Patient sich auszieht. Und das tut er nicht nur im Krankenhaus oder wenn er allein ist. So bekommt der Gang in Freibad oder in die öffentliche Sauna eine ganz neue Färbung. Langjährige Partner und Partnerinnen werden mit „dem Beutel auf dem Bauch“ schon so ihre Schwierigkeiten haben, wenn die Kleidung abgelegt ist. Eine unbeschwerte erotische Atmosphäre wird erst wieder nach einiger Zeit und wahrscheinlich einigen schmerzvollen Erlebnissen zustandekommen. Über die angstvollen Gedanken eines Patient mit einem künstlichen Ausgang, der gerade einen neuen Partner kennengelernt hat, der aber noch nichts von „dem Beutel“ weiß, kann als Nichtbetroffener nur mutmaßen........



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