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für Patienten


Intensivstation

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für Angehörige



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nach Komplikationen





Intensivstation für Patienten:



Von den Patienten wird die Intensivstationssituation anders wahrgenommen wie von den Angehörigen. Richtig unerträglich empfinden sie den Aufenthalt in der Regel erst, wenn der Zeitpunkt für die Verlegung gekommen ist. Erst dann spüren sie die ständige Betriebsamkeit, die nie verstummenden Alarmtöne, die fehlende Privatsphäre

Vielmehr ist der Patient, der wirklich einer medizinischen Behandlung bedarf, in einem solchen Ausnahmezustand, daß ihn diese äußeren Bedingungen, die die Angehörigen wahrnehmen, nicht erreichen.

Die ersten Eindrücke des Patienten von der Intensivstation, wenn er nach einer Narkose dort erwacht, könnten etwa folgende sein:

Aus einem Dämmerzustand kommt man langsam zu sich, schläft viele Male wieder ein, hört in der Ferne unbekannt Geräusche, wird mit seinem Namen angesprochen, dann auf die Seite gedreht (er wird neu gebettet). Wieder schläft man ein. Durch einen Druck im Hals erwacht man, der Atem geht gegen Widerstand (der Beatmungsschlauch liegt noch und das Beatmungsgerät versorgt ihn mit Atemluft). Ein eigenartiges Gefühl, aber nicht schmerzhaft, eher etwas beengend. Das Licht ist grell. Sehr starke Mundtrockenheit und Durst sind das unangenehmste. Wieder versinken die Wahrnehmungen im unruhigen Schlaf. Die Arme und Beine sind bleischwer, man kann sie selbst nicht bewegen, ist aber auch viel zu müde dazu. Wieder eine Stimme, der eigene Namen, plötzlich wird es kalt. Die Bettdecke ist abdeckt worden, ein Druck am Bauch, ein Schütteln dann verharrt etwas hartes und kaltes an der Stelle, verschwindet und wird auf den Brustkorb aufgedrückt (das Stethoskop des untersuchenden Arztes). Der Bauch spannt jetzt und drückt auch. Wieder sind unklar Stimmen zu hören. Die Decke wird wieder übergelegt und die Geräusche verlieren sich in der Ferne. Ruhe. Wieder erwachen. Wütendens Piepsen neben einem, husten, husten, der Atem geht wieder gegen Widerstand (die beginnde Eigenatmung ist nicht mehr synchron zum Beatmungsgerät). Eine beruhigende Stimme fordert zum langsamen Atmen auf, den Rest versteht man nicht mehr, Wärme durchströmt den ganzen Körper. Wieder sinkt man in den Schlaf (ein Schmerzmittel wurde verabreicht).

Die oben beschriebene Szene versucht mögliche Wahrnehmungen im Zustand zwischen tiefem Narkoseschlaf und beginnendem Erwachen zu beschreiben.



Was passiert im einzelnen:

Der Narkoseschlaf oder auch „das künstliche Koma“ wird durch sehr starke Schmerzmittel (moderne, morphiumähnliche Stoffe) verursacht. So ist sicher, daß der Patient in dieser Zeit sicher keine Schmerzen verspürt. Ein Problem ist die aussetzende Atmung unter diesen Mitteln, sodaß künstlich mit einer Maschine die Atemluft über einen Beatmungsschlauch in die Lunge gehaucht wird. In der Zeit des Erwachens reicht häufig die eigene Atmung noch nicht zum Überleben. Im gleichen Maße wie durch Medikamente der Drang zu Atmen unterdrückt wird, ist auch der Würgereiz gegen den Beatmungsschlauch ausgeschaltet. Für die letzte Phase dieses Entwöhnungsprozesses (von einer künstlichen Beatmung) gibt es spezielle Medikamente, die nur noch den Würgereiz gegen den Beatmungsschlauch unterdrücken, aber den Atemantrieb nicht mehr herabsetzen. In dieser Situation kann der Patienten sich dem Arzt oder der Schwester durch Kopfnicken mitteilen, ohne das der Schlauch als quälend empfunden würde. Schon leichter Wundschmerz und Übelkeit können so behandelt werden, wenn der Patient noch im Halbschlaf ist.



Ist der Zeitpunkt für das Beenden der Beatmung gekommen, werden die stark narkotisierenden Schmerzmittel gegen andere ausgetauscht. Langsam beginnt der Patient wieder selbst zu atmen. Gleichzeitig kommen Schluck und Würgereflexe zurück. Jetzt ist es wichtig zum richtigen Zeitpunkt, daß heißt wenn die Atmung schon stark genug ist, aber der Beatmungschlauch noch nicht gespürt wird, die künstliche Beatmung zu beeenden.

Während dieser Zeit ist nahezu ständig eine betreuende Pflegekraft am Krankenbett. Die Atmung, der Blutdruck und der Puls werden ständig kontrolliert. Wenn die künstliche Beatmung beendet ist, schläft der Patient in der Regel wieder ein. Zu diesem Zeitpunkt kann sich die Schwester schon mit dem Patienten unterhalten. Er kann gezielt angeben, ob er beginnende Übelkeit, Schmerzen oder Mundtrockenheit verspürt. Diese Probleme werden natürlich auch jetzt schon behandelt. Damit er sich melden kann wird dem Patienten die Klingel in die Hand gegeben. Errinnern wird er sich an all das allerdings fast nie. (Dieser Zustand nach der Narkose ähnelt dem eines schweren Alkoholrausches.)

Bis zu einem echten Erwachen dauert es noch einmal einige Stunden. Bis dahin wechselt ein Dämmerschlaf mit kurzem Wachsein. Jetzt können auch schon wieder erste Wundschmerzen als wirklich unangenehm gefühlt werden. Sie kehren ganz langsam wieder. Zuerst ist es nur ein starker Druck. Wird jetzt früh ein Schmerzmittel gegeben, lassen die Schmerzen auch sehr schnell wieder nach. Wartet der Patient lange ab bis er Schmerzen angibt, dauert es häufig sehr lange bis wieder gutes Wohlbefinden erreicht werden kann.

Schmerzen können das größte Problem in dieser Phase nach der Operation sein. Alle starken Schmerzmittel haben in hohen Dosierungen eine Narkosewirkung. In diesem Zustand setzt die eigene Atmung aus und der Patient kann, wenn dies nicht bemerkt wird an der „entspannenden Wirkung“ versterben. Deshalb kann nicht einfach jedem Patienten eine Dosis gegeben werden, die ihn sofort sicher schmerzfrei macht.

Durch wiederholte kleine Gaben in 2-3 Minutenabständen muß sich der Arzt an den speziellen Bedarf des einzelnen Patienten herantasten. Das klingt gut, ist für den Patienten aber -wie man der Sache her sieht - mit Zeiten von nicht vollständiger Schmerzfreiheit verbunden. Ideal ist es wenn der Arzt oder die Pflegekraft beim Patienten bleibt bis die individuelle Dosierung gefunden wurde. Das kann schon einmal 20 Minuten dauern.

Mit menschlichem Zuspruch und der Gewißheit mit dem Schmerz nicht alleine zu bleiben, ist diese Zeit gut zu überstehen. Die sichere Perspektive der Schmerzfreiheit, da ja eine weitere Medikamente, wenn nötig gegeben werden nimmt, dem Schmerz so seinen Schrecken.

Auch hier wird vom Ablauf her klar, daß eine gut Schmerztherapie viel Zeit braucht. Auf der Intensivstation betreut eine Pflegekraft 2-3 Patienten. Die Überwachung von Atmung und Kreislauf wird über sehr empfindliche Meßgeräte mit Alarmfunktion durchgeführt. Deshalb kann hier viel schneller auf ein Klingeln reagiert werden. Und die Medikamente können viel höher, also auch viel näher an die Grenze des Narkoseschlafs heran dosiert werden. Deshalb ist auf der Intensivstation eine Schmerztherapie auch nach größten Operationen möglich.



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